Feldlerche (Alauda arvensis)

Die Feldlerche ist ein 16‑19 cm großer, unauffälliger Singvogel, der offene Feldflächen mit freier Sicht bevorzugt und dort durch sein getarntes Gefieder gut getarnt ist.

Artenschutz
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Feldlerche (Alauda arvensis)

Die Feldlerche: Schlichtes Federkleid und perfekte Tarnung am Boden

Die Feldlerche ist ein 16 bis 19 Zentimeter großer, eher unauffällig gefärbter Singvogel. Ihr Gefieder ist auf der Oberseite beige bis rötlich-braun gefärbt und mit feinen, schwarzbraunen Längsstreifen durchzogen, was ihr am Boden eine hervorragende Tarnung verleiht. Im Kontrast dazu steht der weiße Bauch, der sich deutlich von der gelblich-weißen, gestrichelten Brust abhebt. Zudem hat sie einen charakteristischen hellen Überaugenstreif. Ein weiteres markantes Merkmal ist die Federhaube am Kopf, die bei beiden Geschlechtern vorhanden ist. Zudem besitzt der Vogel einen relativ dicken, spitzen Schnabel und eine besonders lange Hinterkralle, den sogenannten Lerchensporn. Fliegt die Feldlerche auf, fallen die weißen Seitenkanten ihres Schwanzes und ein flatternder Flug auf.

Besonders bekannt ist die Art für ihren ausdauernden Singflug. Das Männchen steigt dabei 50 bis 200 Meter hoch in den Himmel auf, verharrt dort oft mehrere Minuten und trägt eine ununterbrochene Abfolge aus trillernden, zirpenden und rollenden Lauten vor, die den Frühling einläutet. Zudem ist sie in der Lage, die Rufe anderer Vogelarten zu imitieren.

Freie Sicht voraus: Bewohner der offenen Feldflur

Als typischer Feldvogel und Bewohner der offenen Kulturlandschaft meidet die Feldlerche Wälder, Gehölze und steile Hänge. Sie benötigt weite, ebene Flächen mit freier Sicht, um Feinde wie Greifvögel frühzeitig erkennen zu können. Ein idealer Lebensraum für die Feldlerche zeichnet sich nicht nur durch offene Weiten aus. Entscheidend ist vor allem ein vielfältiges Mosaik unterschiedlicher Landnutzungen. Diese Abwechslung ist essenziell, damit der Feldvogel zu jedem Zeitpunkt der Brutsaison Flächen mit optimaler Vegetationsstruktur vorfindet. Die bevorzugten Habitate umfassen strukturreiche Agrarlandschaften, extensiv genutzte Wiesen und Weiden, Brachflächen sowie Heiden, Moore, Salzwiesen und Dünen.

Für die Anlage ihrer Nester bevorzugt sie trockene bis wechselfeuchte Böden. Die Nester werden vom Weibchen am Boden in einer flachen Mulde angelegt. Dafür benötigt sie eine lückige, nicht zu hohe Kraut- und Grasvegetation. Stehen die Pflanzen zu dicht, schränkt dies ihre Fortbewegung stark ein. Die meisten Feldlerchen in Mitteleuropa sind Kurzstreckenzieher, die im Herbst Richtung Südwesteuropa (Spanien, Frankreich) fliegen. Bei milden Wintern überwintern einige Vögel jedoch auch in Deutschland auf Brachen und Stoppelfeldern.

Angepasster Speiseplan: Von Insekten im Sommer zu Pflanzensamen im Winter

Der Speiseplan der Feldlerche ist vielseitig und passt sich den Jahreszeiten an. Im Frühjahr und Sommer, insbesondere während der Brut- und Aufzuchtzeit, ernährt sie sich tierisch von Insekten, Larven, Spinnentieren, Regenwürmern und kleinen Schnecken. Diese eiweißreiche Kost ist essenziell, damit die Jungvögel erfolgreich heranwachsen können. Im Herbst und Winter stellt die Feldlerche ihre Ernährung je nach Verfügbarkeit auf vegetarische Kost um. Bei der Nahrungssuche am Boden sucht sie auf abgemähten Äckern und Stoppelfeldern nach nahrhaften Samen von Wildkräutern, Gräsern sowie nach Getreidekörnern und Keimlingen.

Ein gefährdeter Feldvogel: Bestandsrückgang durch die Intensivierung der Landwirtschaft

Die Feldlerche wird auf der Roten Liste in Deutschland als "gefährdet" eingestuft. Seit den 1980er Jahren haben sich ihre Bestände in Deutschland in etwa halbiert. Um auf ihren dramatischen Rückgang aufmerksam zu machen, wurde sie bereits zweimal zum "Vogel des Jahres" gewählt.

Die Hauptbedrohung ist die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und die Vergrößerung von Ackerflächen zu großflächigen Monokulturen. Der vermehrte Anbau von Raps, Mais und ertragreichem Wintergetreide hat weitreichende Folgen für das Brutverhalten. Während die Vögel früher bis zu drei Bruten pro Saison aufziehen konnten, bleibt es heute oft bei nur einer Brut. Das Wintergetreide wächst im Frühjahr so schnell, so hoch und so dicht auf, dass die Felder undurchdringlich werden. Feldlerchen finden dann keine Landeplätze mehr. Als Notlösung müssen sie ihre Nester auf unbewachsenen Traktorspuren anlegen. Diese Ausweichquartiere sind jedoch tödliche Fallen. Die Gelege werden dort bei der nächsten Feldbearbeitung überrollt oder fallen leicht Nesträubern zum Opfer.

Ein weiteres massives Problem ist der drastische Verlust unbewirtschafteter Brachflächen, deren Anteil seit den 1990er Jahren massiv gesunken ist. Gleichzeitig nahm der Anbau von Mais stark zu, der den Vögeln weder Brut- noch Nahrungsmöglichkeiten bietet. Der Wegfall rettender Randstreifen und das schnelle Umbrechen von Stoppelfeldern nach der Ernte verschärfen die Situation. Hinzu kommt der starke Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. Das vernichtet Insekten und Wildkräuter und entzieht der Feldlerche damit eine essenzielle Nahrungsgrundlage. Auch im intensiv genutzten Grünland schwinden die Überlebenschancen. Stark gedüngte Wiesen wachsen zu dicht auf und werden so oft gemäht, dass für eine vollständige Jungenaufzucht keine Zeit bleibt. Auf zu dicht besetzten Weiden droht den Bodennestern zudem das Zertrampeln durch Weidetiere oder der Verlust der schützenden Deckung.

Weitere Gefahren sind die zunehmende Flächenversiegelung, Landschaftsentwässerung und der Ausbau erneuerbarer Energien. Zudem setzen Extremwetter, natürliche Feinde sowie die noch immer legale Jagd in manchen Ländern der Feldlerche zu.

Gezielte Schutzmaßnahmen: Mehr Vielfalt, späte Mahd und Lerchenfenster auf dem Acker

Um weiteren Bestandseinbrüchen der Feldlerche effektiv entgegenzuwirken, bedarf es einer deutlichen Aufwertung der Agrarlandschaft. Im Mittelpunkt der Schutzmaßnahmen steht die Förderung eines vielfältigen Mosaiks aus unterschiedlichen Nutzungsarten. Durch die gezielte Kombination von Sommergetreide, einjährigen Brachflächen und extensiv bewirtschaftetem Grünland wird sichergestellt, dass die Art über die gesamte Brutzeit hinweg optimale Vegetationsstrukturen für mehrere Bruten vorfindet.

Eine sehr wirksame und praxistaugliche Schutzmaßnahme in der Landwirtschaft ist die Anlage von "Feldlerchenfenstern". Dabei hebt der Landwirt bei der Aussaat von Wintergetreide die Sämaschine kurz an, um kleine Leerflächen (ca. 20 Quadratmeter) zu schaffen, die den Vögeln als lebensrettende Lande- und Nahrungssuchplätze dienen. Alternativ helfen doppelte Saatreihenabstände. Der Verzicht auf Pestizide und eine verminderte Düngung ermöglichen zudem die Rückkehr von Insekten und Wildkräutern.

Weitere wichtige Maßnahmen umfassen das Erhalten von Stoppelfeldern und Randstreifen bis über den Winter. Um Bodenbruten zu schützen, sollten Wiesen und Ackerbrachen nicht vor dem 1. August gemäht werden. Auf Weideflächen sollte zudem die Besatzdichte der Weidetiere angepasst werden, um Gelege vor dem Zertrampeln zu bewahren und genügend Versteckmöglichkeiten im Gras zu erhalten.

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