Feldhamster (Cricetus cricetus)

Steckbrief: Der Feldhamster ist ein in Europa einzigartiger Nager, der in landwirtschaftlich genutzten Flächen lebt und tiefgründige Baue anlegt. Er ist vom Aussterben bedroht, hauptsächlich aufgrund intensiver Landwirtschaft und Verlust geeigneter Lebensräume.

Artenschutz
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Feldhamster (Cricetus cricetus)

Feldhamster: Kleiner Baumeister mit großer Bedeutung

Der Feldhamster (Cricetus cricetus) ist ein spezialisierter Bewohner der Agrarlandschaft. Er lebt auf offenen, landwirtschaftlich genutzten Flächen, gräbt tiefe Baue in den Boden und sammelt Vorräte für den Winter. Früher war er in vielen Regionen Deutschlands so häufig, dass er als Ernteschädling bekämpft wurde. Heute ist er streng geschützt und vom Aussterben bedroht.

Der Feldhamster ist die einzige Art der Gattung Hamster in Europa. Ausgewachsene Tiere werden bis zu 35 Zentimeter lang und wiegen meist zwischen 200 und 600 Gramm. Damit erreichen sie ungefähr die Größe eines Meerschweinchens. Ihre natürliche Lebenserwartung liegt bei maximal vier Jahren. Im Freiland werden die meisten Feldhamster nur ein bis zwei Jahre alt.

Seine Färbung macht den Feldhamster unverwechselbar: oben hellbraun bis grau, unten schwarz, dazu helle Flecken an Kopf und Schultern. In Thüringen gibt es außerdem eine regionale Besonderheit: Dort kommt eine vollständig schwarze, melanistische Farbvariante vor.

Zu sehen bekommt man den Feldhamster trotzdem selten. Er ist vor allem abends und nachts aktiv, lebt als Einzelgänger und verbringt einen großen Teil seines Lebens unter der Erde.

Ein Bau ist mehr als ein Loch im Boden

Der Feldhamster braucht tiefgründige, leicht grabbare Löß- und Lehmböden. Der Grundwasserspiegel muss deutlich unter 1,20 Metern liegen. Seine Baue reichen bis zu zwei Meter tief in den Boden und bestehen aus weitverzweigten Gängen, Schlafkammern, Vorratskammern und einer separaten Kotkammer. Die dabei bewegten Erdmassen sind enorm: An einem einzelnen Bau wurden bis zu 300 Kilogramm Aushub festgestellt.

Im Jahresverlauf nutzt der Feldhamster unterschiedliche Baue. Sommerbaue liegen meist weniger als einen Meter tief und haben mehrere Ein- und Ausgänge. Sie bieten schnelle Fluchtwege, wenn Fuchs, Wiesel, Iltis, Rotmilan, Turmfalke oder Eule in der Nähe sind. Winterbaue liegen tiefer und sind weniger verzweigt. Dort verbringt der Feldhamster seinen etwa sechsmonatigen Winterschlaf.

Feldhamster markieren und verteidigen ihre Reviere. Männchen nutzen Aktionsräume von etwa ein bis zwei Hektar. Weibchen bewegen sich meist auf 0,1 bis 0,4 Hektar. Gleichzeitig wechseln Feldhamster ihre Baue erstaunlich oft. Weibchen ziehen im Schnitt nach 27 Tagen um, Männchen sogar nach etwa acht Tagen. Bei Platzmangel weichen einzelne Tiere auch auf Straßenböschungen, Grünstreifen oder Gärten aus.

Vorräte für den Winter

Der Feldhamster frisst vor allem Feldfrüchte wie Getreide, Mais und Kartoffeln, außerdem Gräser, Kräuter, Luzerne, Klee und Zuckerrüben. Für die Aufzucht der Jungtiere braucht er zusätzlich tierische Proteine. Dazu gehören Insekten, Schnecken, Frösche, Eidechsen und sogar Mäuse. Gelegentlich erbeutet er auch Nestlinge von Bodenbrütern.

Charakteristisch sind seine dehnbaren Hamsterbacken. Mit ihnen transportiert er große Mengen Futter in seinen Bau. Nach der Fortpflanzungszeit, etwa ab Juli oder August, beginnt er mit dem Anlegen der Wintervorräte. In den Vorratskammern sammelt er zwischen 1,5 und 5 Kilogramm Körner und Samen. Diese Nahrung ist unterirdisch lange haltbar und verdirbt weniger schnell.

Der Winterschlaf dauert ungefähr von Oktober bis März oder April. Der Feldhamster schläft in dieser Zeit nicht durch. Er wacht etwa einmal pro Woche auf und frisst von den Vorräten in seiner Speisekammer. Der Bau ist damit Schlafplatz, Rückzugsort und Vorratslager zugleich.

Warum geeignete Felder selten werden

Der starke Rückgang des Feldhamsters hängt vor allem mit der intensiven Landwirtschaft zusammen. Ausgedehnte Monokulturen, tiefes Pflügen, frühe und schnelle Ernteverfahren sowie der Wegfall von Rückzugsräumen führen zum Verlust geeigneter Habitate und Nahrungsressourcen.

Besonders kritisch ist die Zeit der Jungenaufzucht. Die Getreideernte findet heute oft schon im Juni oder Juli statt. Früher lag sie häufiger im August. Gründe sind unter anderem die Umstellung von Sommer- auf Wintergetreide und der Klimawandel. Für Feldhamster bedeutet das: Mitten in einer empfindlichen Lebensphase verschwinden Deckung und Nahrung. Die Tiere stehen plötzlich frei auf dem Acker und werden leichte Beute für Fuchs, Wiesel, Iltis, Rotmilan, Turmfalke oder Eulen.

Der Flächenverbrauch verschärft die Lage. Straßen, Siedlungen und Gewerbegebiete verkleinern und zerschneiden den Lebensraum. Für eine Art, die passende Böden, Nahrung und Deckung auf zusammenhängenden Ackerflächen braucht, entstehen dadurch immer kleinere und unsicherere Lebensräume.

Schutzstatus und Maßnahmen

Der Feldhamster ist gemäß Anhang IV der FFH-Richtlinie streng geschützt. Er wird sowohl in der nationalen als auch in der europäischen Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Bei Planung und Flächenentwicklung müssen Feldhamster-Vorkommen deshalb fachlich geprüft und verbindlich berücksichtigt werden.

Für den Schutz braucht es gezielte agrar- und naturschutzfachliche Hilfsprogramme. Im Mittelpunkt steht eine hamsterfreundliche Bewirtschaftung. Eine wichtige Maßnahme ist eine Stoppelruhe von mindestens sechs Wochen nach der Ernte. Sie bietet Zuflucht und Deckung, wenn die übrige Fläche bereits abgeerntet ist. Auch Erntestreifen sind wichtig. Wenn etwa zwei Prozent der Ackerfläche stehen bleiben, finden Feldhamster weiterhin Nahrung und Schutz.

Zur Sicherung der Nahrungsquellen helfen ein hoher Getreideanteil und mehrjährige Feldfutterkulturen wie Luzerne. Auf Flächen mit Hamstervorkommen sollte immer ein Teilbereich entsprechend bestellt sein. Luzerne bildet eine dichte Vegetation, schützt vor Greifvögeln und dient zugleich als Futterpflanze. Der Verzicht auf Pestizide und Rodentizide, also Mäusegifte, gehört ebenfalls zu den wichtigen Schutzmaßnahmen.

Auch die Bodenbearbeitung muss zu den Baustrukturen passen. Wenn Baue erhalten bleiben sollen, darf eine Fläche nicht ohne Rücksicht auf die unterirdischen Gänge bearbeitet werden. Abschnittsweise Bewirtschaftung kann helfen, weil die Tiere aus einem kahlen Bereich in einen bewachsenen Bereich ausweichen können.

In einigen Regionen werden Feldhamster zusätzlich gezüchtet und ausgewildert. Diese Maßnahmen unterstützen Bestände, wenn geeignete Lebensräume vorhanden sind. Ausgesetzte Tiere brauchen sofort passende Böden, Deckung, Nahrung und sichere Baue. Ohne hamsterfreundliche Bewirtschaftung bleibt Auswilderung nur eine kurzfristige und nicht nachhaltige Option.

Was daraus für die Planung folgt

Für unser Umweltplanungsteam ist der Feldhamster ein gutes Beispiel dafür, wie konkret Artenschutz in der Praxis wird. Auf dem Papier klingt eine Maßnahme schnell plausibel. Im Gelände entscheidet sich, ob sie zur Art passt: Ist der Boden tief genug? Liegt das Grundwasser niedrig genug? Gibt es Baue oder geeignete Strukturen in der Nähe? Bleibt nach der Ernte genug Deckung stehen? Passt die Bewirtschaftung zu den Zeiten, in denen der Feldhamster Nahrung sammelt, Junge aufzieht oder sich in den Winterbau zurückzieht?

Eine Fläche wird nicht nur nach Größe bewertet, sondern nach ihrer Funktion. Beim Feldhamster zählen Boden, Nahrung, Deckung, Erntezeitpunkt, Bodenbearbeitung und langfristige Pflege zusammen. Deshalb brauchen Kompensations- und Artenschutzmaßnahmen fachliche Planung, Abstimmung mit der Landwirtschaft und eine Umsetzung, die im Betrieb funktioniert.

Der Feldhamster macht sichtbar, warum gute Maßnahmen mehr sind als ein einzelner Streifen auf dem Acker. Entscheidend ist ein Lebensraum, der über und unter der Erde funktioniert: mit geeigneten Böden für die Baue, ausreichend Nahrung für Sommer und Winter und genug Deckung in den kritischen Phasen des Jahres.

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